Unfallkasse Baden-Württemberg

Unmittelbar mit dem Schulbesuch zusammenhängende Wege

Schüler/-innen sind beim Zurücklegen von Wegen versichert, die in einem ursächlichen, räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit dem Schulbesuch stehen. Hierunter fällt z. B. der Weg von zu Hause zur Schule und zurück sowie der Weg zum Ort einer schulischen Veranstaltung und zurück.

  • Entscheidend für die Beurteilung des Versicherungsschutzes auf den Wegen, ist das "Sich-Fortbewegen" auf dem direkten Weg. Die Art der Fortbewegung (z. B. zu Fuß, mit dem Fahr­rad, Roller, Inline-Skates usw.) steht dabei jedem frei. Unerheblich für das Bestehen des Versicherungsschutzes ist ebenfalls, ob der Weg in Begleitung oder alleine, vor oder nach Bestehen der Radfahrausbildung usw. zurückgelegt wird.
  • Dieses "Fortbewegen" muss in einem inneren, örtlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit (z. B. dem Besuch des Schulunterrichts, der Teilnahme an offiziellen von der Schulleitung genehmigten Schulveranstaltungen usw.) stehen. Der innere Zusammenhang ist gegeben, wenn die Zurücklegung des Weges der versicherten Tätigkeit bzw. nach deren Beendigung dieser Tätigkeit der Erreichung der elterlichen Wohnung dient. Maßgeblich für die Feststellung des inneren Zusammenhangs ist die Handlungstendenz des Schülers, d. h. ob das Zurücklegen des Weges zur versicherten Tätigkeit, somit zum Weg zur oder von der Schule gehört.
  • Der Begriff des direkten oder unmittelbaren Weges setzt nicht voraus, dass sich die Schüler/-innen ausschließlich auf dem entfernungsmäßig kürzesten Weg von und zur Schule befindet. Wählen die Schüler/-innen nicht die kürzeste Verbindung, kommt es darauf an, ob nach den Umständen des Einzelfalls auch für den weiteren Weg der innere Zusammenhang gegeben ist. Entscheidend ist dabei, ob die Wahl zur weiteren Wegstrecke aus der durch objektive Gegebenheiten erklärbaren Sicht des Schülers/der Schülerin noch dem Zurücklegen des Weges von oder zur versicherten Tätigkeit zuzurechnen ist. Hierzu zählen insbesondere verkehrsbedingte Umstände, wie z. B. das Umgehen einer schlechten Wegstrecke oder einer Verkehrsstauung, das Benutzen einer schnell befahrbaren Straße usw.Ist demnach ein eingeschlagener Weg nach und von dem Ort der Tätigkeit insbesondere weniger zeitaufwendig, sicherer, übersichtlicher, besser ausgebaut oder kostengünstiger als der erfahrungsgemäß kürzeste Weg, steht auch dieser längere Weg unter Versicherungsschutz.
  • Die Schüler/-innen sind nicht nur auf dem Schulweg vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss versichert. Auch mehrfache Wege zwischen der Schule und der elterlichen Wohnung (z. B. in einer Freistunde, um dringend benötigte Unterlagen für den Unterricht zu holen oder, um das Mittagessen zu Hause einzunehmen usw.) stehen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn sie im Zusammenhang mit dem Schulbesuch stehen.
  • Verlassen Schüler/-innen das Schulgelände vor dem regulären Unterrichtsende (z. B. weil sie plötzlich erkrankt sind und sofort nach Hause geschickt werden), sind sie ebenfalls auf dem unmittelbaren Nachhauseweg gesetzlich unfallversichert.
  • Versichert sind auch Wege, die im Rahmen einer Fahrgemeinschaft zurückgelegt werden, selbst wenn hierbei vom direkten Weg abgewichen wird.
  • Wird der Weg von oder zur versicherten Tätigkeit unterbrochen, indem ein anderer Weg eingeschoben wird, der aus eigenwirtschaftlichen Gründen vom Ziel weg oder über das Ziel hinaus führt (z. B. Erledigung eines privaten kurzfristigen Einkaufs in einer Seitenstraße), steht die Abweichung von der direkten/unmittelbaren Wegstrecke solange außerhalb des Versicherungsschutzes, bis der eigentliche Weg wieder erreicht wird. Ein solches "Aufleben" des Versicherungsschutzes findet nicht statt, wenn es durch die Unterbrechung des Weges zu einer Lösung von der versicherten Tätigkeit gekommen ist. Dies beurteilt sich nach der Dauer der Unterbrechung. Die zeitliche Grenze für die Lösung von der betrieblichen Tätigkeit wird bei zwei Stunden gezogen.

Der Versicherungsschutz entfällt dagegen, wenn die Schüler/-innen aus privaten und eigenwirtschaftlichen Gründen einen Umweg einschlagen, d. h. einen Weg, der zwar als Zielrichtung den Ort der versicherten Tätigkeit bzw. beim Rückweg den häuslichen Wirkungskreis hat, der aber erheblich länger ist als der kürzeste Weg.

Sind die genannten Voraussetzungen für das Bestehen des Versicherungsschutzes nicht erfüllt, hat bei Eintritt eines Unfalles mit Körperschaden die zuständige Krankenkasse die Behandlungskosten zu übernehmen.