Unfallkasse Baden-Württemberg

Biomonitoring und Beurteilung möglicher Gefährdungen von Beschäftigten in der Forstwirtschaft durch permethrinimprägnierte Schutzbekleidung – Projekt abgeschlossen

Für Beschäftigte in der Forstwirtschaft stellt die Exposition gegenüber Zecken eine erhebliche biologische Gefährdung dar. Eine wichtige Maßnahme der Primärprävention ist hierbei neben der Auftragung von zeckenabwehrenden Repellents auf die Haut insbesondere die Verwendung von geeigneter Bekleidung.                                                                                                      

Erfahrungen u. a. aus dem militärischen Bereich lassen vermuten, dass die Schutzwirkung von Bekleidung vor Zecken durch die Ausrüstung der Textilien mit den akariziden Wirkstoff Permethrin erheblich verbessert werden kann. Entsprechend ausgerüstete Bekleidung für Forstarbeiter ist seit einiger Zeit im Handel erhältlich, eine entsprechende Datenbasis zur eingehenden Bewertung von Nutzen und möglichen Risiken im Fall dieser Bekleidung lag nicht vor. 

Ziel des Forschungsvorhabens war es daher, einerseits die Schutzwirkung der angebotenen Bekleidung vor Zecken, andererseits mögliche gesundheitliche Belastungs- und Beanspruchungseffekte bei Trägern der Bekleidung zu untersuchen.

Ergebnisse:

  • Nutzer nicht imprägnierter Hosen ohne Schnittschutz ("Outdoorhosen", mehrheitliche Berufsgruppe: Revierleiter) erwiesen sich gegenüber Trägern nicht imprägnierter Schnittschutzhosen (mehrheitliche Berufsgruppe: Forstwirte) als besonders durch Zecken gefährdetes Kollektiv.
  • Permethrinimprägnierte Hosen zeigten im Teilkollektiv der Nutzer von Schnittschutzhosen gegenüber konventionellen Hosen keinen statisch signifikanten Schutzeffekt. Im Teilkollektiv der Nutzer von "Outdoorhosen" wurde dagegen eine statistisch signifikante Reduktion des Zeckenbefalls nachgewiesen. Dennoch fanden sich auch bei Benutzung von permethrinbehandelter Bekleidung weiterhin Zecken u. a. im Beinbereich, die weiterhin ein Absuchen des Körpers nach Zecken im Anschluss an die Arbeit erfordern.
  • Unter den Studienbedingungen zeigten sich keine relevanten akuten Beanspruchungsreaktionen beim Tragen permethrinimprägnierter Hosen. Es besteht allerdings grundsätzlich die (seltene) Möglichkeit einer allergischen Reaktion.
  • Die Verwendung der behandelten Bekleidung führt zu einer (vorwiegend dermalen) Aufnahme von Permethrin, z. T. deutlich über das in der Allgemeinbevölkerung übliche Maß hinaus. Der von der WHO definierte Acceptable Daily Intake (ADI) wird jedoch noch klar unterschritten. Nicht abschließend bewertet werden kann aktuell eine mögliche schwache humankanzerogene Wirkung.
  • Als Einflussgrößen auf die innere Belastung bzw. Permethrinaufnahme der Probanden erwiesen sich u. a. die Art der verwendeten Hose, deren Hersteller, deren Nutzungsdauer, klimatische Bedingungen und die Schwere der zu verrichtenden körperlichen Arbeit.
  • Die Ergebnisse zur Wirksamkeit sowie toxikologische Aspekte sprechen aus unserer Sicht derzeit insgesamt eher gegen einen generellen und undifferenzierten Einsatz der Bekleidung für Forsttätigkeiten. Unter präventiven Gesichtspunkten erscheinen vielmehr eine sorgfältige individuelle Auswahl möglicher Nutzer und eine Verwendung unter der Prämisse einer Minimierung der Exposition gegenüber Permethrin sinnvoll.

Informationen zum Forschungsprojekt: www.dguv.de/ifa/de/pro/pro1/ff-fp0305/index.jsp

Hier gelangen Sie zum ausführlichen Abschlussbericht zu diesem Förderprojekt der DGUV.